Klar, wir arbeiten alle im Netz…
aber zu welchen Kosten?
Gemeint sind hier nicht die monetären einmaligen oder monatlichen Kosten, sondern der mitunter beträchtliche (Zeit)-Aufwand, seinen persönlichen Daten- und Apparatezoo sinnvoll am Laufen zu erhalten. Kommt dann ein ausgeprägter Perfektionstick hinzu, wird das sowieso schon komplexe Thema unübersehbar. Wo genau sind eigentlich “meine” Daten?
Arbeitet man für einen Großbetrieb, wird dort üblicherweise Microsoft Exchange oder Lotus Notes vorgehalten, das firmeneigene Smartphone ist angebunden und man ist versorgt – eventuelle Probleme löst die hausinterne IT-Abteilung.
Auch für Anhänger der großen drei monotheistischen Glaubensrichtungen ist die Welt vordergründig einfach: Apple’s MobileMe kann viel, sieht vertraut aus und verbindet alle Gerätchen mit dem angebissenen Apfel für ein paar Euro im Monat recht ordentlich, sofern man innerhalb der vorgegebenen Arbeitsstrukturen bleibt und auch sonst mit einer gewissen Bevormundung leben kann.
Das beachtliche Microsoft Live Mesh bzw. “sky drive“ und “windows live devices” bieten jede Menge Speicher, kann Freigaben verwalten und vieles mehr; fast ein Netz im Netz.
Ubuntu One kommt ebenfalls mit aktuell 2 GB kostenlosem Space, aber einem speziellen, nicht quelloffenen Client, was der Gemeinde diverse Sorgenfalten verursacht hat. Nutzt man den Platz für ein paar Wochen nicht, wird eventuell abgeschaltet – also auch wieder Aufwand.
Vereinfachung
Allen diesen Diensten ist eines gemeinsam: Sie wollen nicht einfach nur schlichte Netzwerk-Ressource sein, sondern verfolgen das Konzept, als eine Art Klebstoff den User in die jeweiligen Produktlinien einzuflechten. Für den Nutzen, den Kunden näher an die Marke, die Philosophie und natürlich an die Produkte zu binden, spendiert man gerne ein paar billige Gigabytes.
Für die Bewertung der TCO, holprig übersetzt mit “Gesamtkosten für den Besitz einer Sache” wirken sich Extra-Funktionen, die man nicht braucht oder händisch wieder abschalten muß negativ aus. Warum braucht man “iTunes“, nur um auf einen Netzwerkspeicher mit ein paar Excel-Tabellen zuzugreifen? Was, wenn man seine Daten gar nicht sozial teilen will, sondern einfach nur an verschiedenen Orten arbeitet? Und warum dann auch noch alles synchronisieren?
Ab einem gewissen Punkt wird die Selbstorganisation privat oder im Kleinbetrieb zum persönlichen Tamagochi, das täglich gehegt und gepflegt werden will. Andererseits ist es auch unrealistisch, alle Aufgaben mit einem einzigen Tool erledigen zu wollen, zumal sich aus diversen zeitfressenden Erfahrungen schon gewisse “best practices” festgesetzt haben.
Microsoft OneNote als Organisationswerkzeug
Ich persönlich benutze gerne OneNote am Desktop und Notebook als Universalablage für alle Arten von Information, die sich aufgrund ihrer Natur nicht automatisch ordnen, wie Links, Kurztexte, Bilder, Diagramme usw. OneNote 2007 organisisert die Notizbücher und Abschnitte in einer logischen und übersichtlichen Datei/Verzeichnisstruktur auf der lokalen Platte oder auf einem Netzwerk-”Share”. Naheliegend also, diesen Datenträger irgendwo ins Netz zu legen, von außen mit dem Notebook jederzeit zugreifbar.
Der (oder das) Net-Drive
Unter Windows 7 ist das “mounten” und Zuordnen von Netzlaufwerken kein Problem mehr. Aber was ist mit den älteren Versionen, XP, oder 2003 Server?
Es gibt eine Reihe von Programmen, die unter Windows Laufwerksbuchstaben WebDAV-Servern zuordnen; das beste dieser Art stammt von Novell – Netdrive 4.1 – und war (ist) kostenlos. Die Entwicklung wurde 2005 allerdings eingestellt. Vorteile:
- bombenstabil
- sowohl FTP- als auch WebDAV Server werden unterstützt
- HTTPS möglich (!)
- stellt reale Laufwerksbuchstaben zur Verfügung
- Mehrfachverbindungen und Profile möglich
Das Programm ist leider im Netz nicht leicht zu finden. In diesem Blog hier von Thomas Merkel ist der Download gelistet, oder direkt hier als ZIP-File. Der Installer selbst heißt NETDRIVE.EXE und muß 5624 KBytes (5.759.340 Bytes) groß sein, oder er ist falsch bzw. gehackt. Screenshot am Ende des Artikels.
Der wartungsfreie Datenspeicher im Netz
Hat man sowieso schon irgendwo Webspace gemietet, würde man einfach einen FTP-Zugang für ein Unterverzeichnis anlegen und fertig ist die Freigabe – jedenfalls für NETDRIVE. Wer einen Linux-Server irgendwo betreibt, könnte dort Apache mit Webdav installieren – was schon etwas aufwendiger ist – oder einen simplen FTP-Server aus der Standardrepository.
Noch einfacher ist es mit einen der zahlreichen externen Dienste; hier ist mir die unaufdringliche Schweizer Firma mydrive.ch positiv aufgefallen. Es gibt WebDAV, SHTTP, Webzugang, 2 GB umsonst oder mehr für vernünftige Preise, und das schon seit mehr als 3 Jahren. Eine Rücksicherung im Notfall wird explizit auf der Webseite beworben.
Datensicherung
Betreibt man einen stationären Linux-Server, kann das Netzlaufwerk fest in einen Pfad gemountet werden, z.b. nach /srv/work/mydrive. Unter Ubuntu Linux (und vielen anderen Distributionen) wird das DAV-Filesystem davfs2 angeboten:
apt-get install davfs2
Und mit rsync + tar/bzip2 ist schnell ein Cronscript für die automatische Sicherung zusammengestellt, womit die fast wartungsfreie Installation geschafft ist:
dnum=`date +%j` mount -t davs http://webdav.mydrive.ch /srv/work/mydrive rsync -avz /srv/work/mydrive /srv/backups/mydrive tar cjvf $dnum.mydrive.tar.bz2 /srv/backups/mydrive/* rm /srv/backups/mydrive/* -rf
Hope it helps.

