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Erste Eindrücke vom Thinkpad X100e
Heute morgen kam das brandneue Thinkpad X100e in der für DE aktuell einzig verfügbaren Konfiguration an, nämlich mit Windows 7 Professional (32 Bit), 2 GB RAM, 250 GB S-ATA-Festplatte, Bluetooth, einem aktuellem WLAN-Adapter von Realtec und Gobi2000-UMTS/WWAN (welcher in späteren Fassungen eventuell durch eine Huawei-Karte ersetzt wird).
Die Positionierung des Gerätchens ist klar: Höherwertiger als das einfache IdeaPad-Netbook, aber aus Sicht der Thinkpad-Welt ganz klar Einsteigerklasse. Dennoch ist der Preis mit etwas über 500€ als durchaus attraktiv zu bezeichnen.
Erster Eindruck: Positiv. Die Tastatur ist wirklich ordentlich, das look & feel stimmt auch. Aber wo sind denn die Status-LEDs für Festplatte, Bluetooth, WLAN und WWAN geblieben, die wir von den ‘richtigen’ Thinkpads kennen? Diese hat man sich leider gespart, ebenso das ThinkLight. Einzig ein kleiner Indikator vorne ist für den Standby übriggeblieben. Schade eigentlich.
Das vorinstallierte Windows 7 wirkt etwas zäh. Ein Think-Tool generiert zügig 3 DVDs von der Recovery-Partition, warum also nicht die Platte (Seagate) formatieren und ein paar andere Betriebsysteme ausprobieren, z.B. das gute alte XP Professional?
Trotz anderslautender Info des Händlers ist keine XP-Recovery-CD dabei. Das bedeutet Handarbeit, denn wenn ein USB-Floppy-Laufwerk gerade nicht greifbar ist, muß zunächst eine Windows-CD mit integriertem Treiber angefertigt werden.
Dieser steht auf der Lenovo-Seite zum Download bereit (“AMD AHCI Compatible RAID Controller” floppy driver) und läßt sich mit nLite problemlos in eine XP Professional 2002 SP2 CD integrieren. Sollte man sich eines Tages doch wieder für Windows 7 entscheiden, findet man den (winzigen) Lizenzaufkleber übrigens unter dem Akku – bitte nicht zornig den Lieferanten anrufen und Lizenzbetrug unterstellen
So weit, so gut – XP läuft nach diversen Updates relativ flott, vorausgesetzt, die ganze lange Treibersammlung auf dem Lenovo-Portal wird vollständig installiert. Dies ist zunächst natürlich Netzwerk/WLAN und Video, aber auch Sound, USB-Filter und Key-Features sind wichtig, da sonst die FN-Funktionstasten nicht erreichbar sind.
Für WWAN und Access Connections on top wird zusätzlich zwingend der Power-Manager und das Power-Interface benötigt, sonst können die Funk-Karten nicht via FN+F5 an- bzw. ausgeschaltet werden, und ohne diese Funktion läuft Access Connections nicht richtig.
Logischerweise kann entweder mit “WiFi” oder “mobilem Breitband” verbunden werden; beides zusammen ist nicht aktivierbar. Bereit also für einen kleiner Test mit einer SIMYO-Prepaidkarte? Wir suchen den Slot für die SIMcard, der sich laut Installations-Faltblättchen unter dem abschraubbaren Bodendeckel befindet. Naja.
Auch da hätte man vielleicht 1€ mehr ausgeben können und eine etwas elegantere Lösung finden können. Aber immerhin, “E Plus” wird zwar nicht in der Liste der vorkonfigurierten Verbindungen angezeigt (hier dominieren wie üblich amerikanische Provider, “vodafone” und die niederländische E+ Mutter KPN) aber das richtige Standortprofil läßt sich schnell konfigurieren:
Serviceprovidername: SIMYO APN: internet.eplus.de Benutzername: eplus Authentifizierung: PAP Kennwort: GPRS
Access Connections aktiviert die Gobi-Karte, verlangt die PIN und wir sind “drin” !
Das funktioniert also inzwischen sauber, hat man doch in der Vergangenheit öfters von Problemen mit der Qualcomm-Hardware auf Thinkpads gelesen.
Die kleine Kamera über dem – übrigens unerwartet angenehmen – Display ist gefühlt besser als die im Netbook S10e, heißt: Vor allem Lichtstärker, und weniger Verzerrungen des Gesichts
Fazit: Angenehmes Gerätchen zwischen dem IdeaPad und dem großen X200, mit kleinen Einschränkungen. Wie es sich bei ca. 3 Stunden Akkulaufzeit im Dauerbetrieb schlägt, werden wir beobachten, und evtl. berichten.
Update: Eine Reihe von X100e-Benutzern kann nach einem BIOS-Update das WWAN/UMTS-Modem nicht mehr aktivieren. Lösungsansatz hier:
http://weitlandt.com/theme/2010/03/wwan-am-x100-thinkpad-geht-nicht-mehr-moegliche-losung/
Die Crux mit dem NumLock und dem Ziffernblock
Leute, die von Berufs wegen viele Zahlen eingeben müssen – z.B. im Umfeld von Steuerberatung oder Rechnungswesen Tätige – arbeiten auf einer Standard-104-Tasten-PC-Tastatur gerne mit dem Nummernblock rechts. Die traditionell als “NumLock” benannte Taste schaltet vom Cursor- in den Ziffernmodus und zurück.
Soweit, so gut. Aber was, wenn man ein Notebook einsetzen möchte, das nicht über diesen abgesetzen Ziffernblock verfügt? Man kauft sich einen separate Ziffernblock-Minitastatur (erhältlich ab 8,– € mit USB-Anschluß z.b. hier) und glaubt, das Problem gelöst zu haben.
Unschöner Nebeneffekt: Der NumLock-Status der separaten Zifferntastatur ist an den Status der Notebook-Tastatur gekoppelt, mit dem Ergebnis, dass dort die Buchstabentasten im rechten Bereich (I O P JK L N M) ebenfalls mit Ziffern belegt sind. Also nur der halbe Nutzen, denn um sinnvoll Text einzugeben, muß man doch wieder umschalten.
Wie so oft zeigt sich auch hier, dass die Macher der legendären IBM Thinkpads einen Schritt weiter gedacht haben und dies auch noch aller Unkerei zum Trotz unter der neuen Flagge Lenovo fortsetzen.
Die Thinkpads der Serien R52, T60, T61 und das aktuelle T500 haben im BIOS eine Option versteckt, mit der die beiden Tastaturen entkoppelt werden können: INDEPENDENT NUMLOCK KEYBOARD auf “An”.
Resultat: Text eingeben über die normale Notebooktastatur (NumLock aus), Ziffern eingeben über den separaten USB-Ziffernblock (NumLock an)
Keine zeitraubenden Hacks. Einfach nur das richtige Notebook.
